Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich damals um die Stelle als Religionslehrer beworben habe. Wobei ich im Nachhinein sagen muss: Eigentlich hat sich die Stelle eher um mich beworben als andersherum. Ich wollte mich ursprünglich nur informieren, welche Möglichkeiten es für mich als Pastor noch geben könnte. Doch kaum saß ich im Büro des Verantwortlichen, drehte sich das Gespräch plötzlich komplett.
Mir wurden sofort die Vorteile erklärt, die das Zusatzstudium mit sich bringen würde, verbunden mit der Frage, wann ich anfangen könnte. Und noch am selben Abend rief die Leiterin der regionalen Arbeitsstelle an und sagte lachend, ich würde ihr ein großartiges Geburtstagsgeschenk machen, wenn ich direkt zum nächsten Monat starten würde.
Ehrlich gesagt brachte mich das ziemlich in die Bredouille. Schließlich hatte ich bereits einen festen Job. Aber gleichzeitig tat es meiner Seele unglaublich gut. Ich wurde gewollt. Ich war gefragt. Irgendwie sogar auserwählt.
Und ganz ehrlich? In diesem Moment war es mir fast egal, ob sie wirklich unbedingt mich wollten oder einfach nur dringend jemanden brauchten. Es fühlte sich einfach gut an, gewollt zu sein. Vielleicht genau deshalb berührt mich der Gedanke so sehr, dass die Bibel genau das über uns sagt.
Du bist auserwählt.
Nicht erst, nachdem angefangen hast, alles richtig zu machen. Nicht erst, nachdem du dich zusammengerissen hast. Nicht erst, nachdem du Gott bewiesen hast, dass du es ernst meinst. Sondern davor.
Noch bevor du deinen ersten Atemzug gemacht hast. Bevor irgendjemand deinen Namen ausgesprochen hat. Bevor deine Persönlichkeit Gestalt annahm. Da hatte Gott dich bereits im Blick. Paulus schreibt dazu unfassbare Worte:
„Schon vor Beginn der Welt hat Gott uns, die wir zu Christus gehören, auserwählt … Aus Liebe hat er uns dazu bestimmt, seine Kinder zu werden durch Jesus Christus“ (Epheser 1,4–5).
Das bedeutet: Gott hat dich nicht irgendwann widerwillig aufgenommen, nachdem er lange genug überlegt hatte, ob man aus deinem Leben noch irgendetwas machen könnte. Er schaut dich nicht an und denkt: „Na gut, irgendwie kriegen wir das schon hin.“
Nein. Gott wollte dich von Anfang an.
Er wirbt um dein Herz, lange bevor du überhaupt verstanden hast, wer er ist. Und seine Liebe zu dir beginnt nicht bei deiner Leistung, sondern bei seiner Entscheidung. Das ist ein riesiger Unterschied.
Denn wir Menschen wählen oft nach Leistung aus. In der Schule werden die Stärksten zuerst ins Team gewählt. Im Leben bekommt oft der die Aufmerksamkeit, der besonders erfolgreich, schön oder stark wirkt. Aber Gott wählt anders.
Er sagt nicht: „Ich liebe dich, weil du perfekt bist.“ Er sagt: „Ich liebe dich, weil du mein bist.“ Und genau darin liegt so viel Heilung.
Du bist kein Zufallsprodukt. Kein Versehen. Kein Mensch zweiter Klasse. Gottes Liebe zu dir begann nicht erst an dem Tag, an dem du angefangen hast, nach ihm zu fragen. Sie war schon vorher da. Als Jesus auferstand, begann Gottes Plan nicht erst. Die Auferstehung war die Erfüllung dessen, was Gott längst beschlossen hatte: dich in seine Nähe zu ziehen und dir neues Leben zu schenken.
Deshalb hängt deine Zukunft nicht an deiner Kraft, deiner Disziplin oder deiner Beständigkeit im Glauben. Sie ist zuerst in Gottes Entscheidung verankert. Vor deinem Zweifel. Vor deinem Versagen. Vor deinem Umherirren. Und sogar vor deiner Rückkehr.
Du bist gewollt.
Nimm das heute nicht nur als theologischen Gedanken mit. Lass es tief in dein Herz sinken.
Herausforderung für heute: Was würde sich in deinem Denken verändern, wenn du wirklich glauben würdest, dass Gott dich nicht gerade so duldet, sondern bewusst wollte? Wo redest du über dich selbst noch ganz anders, als Gott über dich denkt? Bitte Gott heute darum, dir seine Sicht auf dein Leben zu zeigen.
Sei gesegnet!
„Der größte Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“ – Dietrich Bonhoeffer


